Zweites Hospiz in Ostsachsen geplant

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Das Christliche Hospiz Ostsachsen beabsichtigt, in Kürze in der Altstadt von Bischofswerda ein zweites stationäres Hospiz zu errichten. Dieser Neubau wird notwendig, da das bisher einzige Hospiz östlich von Dresden, das Hospiz Siloah in Herrnhut, für die Hospizversorgung dieser großen Region nicht mehr ausreicht. Mit der folgenden Pressemitteilung informierte die Stadt Bischofswerda am 23. August über die Baupläne:

Fronfeste Bischofswerda vor neuer Bestimmung
Unermüdlich wurde in den letzten Jahren insbesondere durch den Fronfeste-Förderverein um die Zukunft des ältesten noch erhaltenen Gebäudes der Stadt Bischofswerda gekämpft. Um 1286 erbaut, diente die Fronfeste ursprünglich zur Befestigung des so genannten Dresdener Tores, das Bestandteil der Stadtmauer war. Später wurde sie jedoch als Gefängnis und Arresthaus genutzt. Für das westliche Eingangstor zur Altstadt ist nun eine zukunftsträchtige Lösung gefunden worden. Darüber informierten heute die Stadtverwaltung Bischofswerda, der Förderverein Fronfeste Bischofswerda sowie die Christliche Hospiz Ostsachsen gGmbH mit ihren Gesellschaftern, der Diakonie Bautzen und der Herrnhuter Diakonie.

Nach jahrelangem Ringen um die Zukunft der Fronfeste wird diese nun vor dem Verfall gerettet. Wie der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große während einer Pressekonferenz berichtete, wird das Christliche Hospiz Ostsachsen das älteste Gebäudeensemble der Stadt vom Fronfeste-Förderverein übernehmen und nach umfangreichen Umbauarbeiten dort ein stationäres Hospiz errichten. „Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement. Es ist mir eine große Ehre und Freude, gemeinsam mit Ihnen dieses Projekt auf den Weg gebracht zu haben“, so Holm Große. „Diese Zusammenarbeit ist fruchtbar für unsere Stadt und sollte beispielgebend für unser weiteres Handeln sein!“

Was der Oberbürgermeister an dieser Zusammenarbeit als beispielgebend bezeichnet, ist leicht erklärt: Engagierte Bürger der Stadt, über Partei- und Initiativgrenzen hinweg, hatten im Dezember 2010 den Fronfeste-Förderverein gegründet, um das älteste erhaltene Gebäude der Stadt zu retten. Fünf Jahre später ist der ehrenamtlich agierende Verein sogar das Risiko eingegangen, das Gebäude vom damaligen Inhaber für einen fünfstelligen Betrag zu erwerben. Perspektivisch hatte der Förderverein geplant, das Grundstück in städtisches Eigentum zu überführen und das historische Ensemble einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Der Erwerb durch die Stadt ist aber im Rahmen der Haushaltskonsolidierung durch die Rechtsaufsicht untersagt worden.

Für den Verein war das aber kein Grund zum Aufgeben. Es ist weiter nach Lösungen gesucht worden. Eine Schlüsselrolle hat dabei die Diakonie Bautzen mit ihrem geschäftsführenden Vorstand Gerd Lehmann übernommen. Die Diakonie Bautzen betreibt in Bischofswerda u.a. das Altenpflegeheim „Zur Heimat“, die christliche Kita „Herrmannstift“ und eine Außenstelle des ambulanten Hospizdienstes. Gleichzeitig ist sie Gesellschafter der gemeinnützigen Hospizgesellschaft Ostsachsens. Diese betreibt unter Führung der Herrnhuter Diakonie das stationäre Hospiz Siloah in Herrnhut sowie einen ambulanten Hospizdienst für die Region Löbau-Zittau. Auch an der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) dieser Region ist sie beteiligt. Die Gesellschaft hat den Bedarf für einen weiteren Hospiz-Standort in der westlichen Oberlausitz gesehen. Robert Geburek – Fronfeste-Vereinsmitglied, Stadtrat und Leiter des Diakonie-Altenpflegeheimes in Bischofswerda – machte sich unterdessen weiter für den Standort Bischofswerda stark. „Das meinte ich mit beispielgebend: Stadt, Bürger und Investoren arbeiten konstruktiv zusammen an Lösungen. Als Stadt bringen wir zum Beispiel Städtebau-Fördermittel ins Projekt ein“, resümiert Holm Große.

Warum sich das Christliche Hospiz Ostsachsen für Bischofswerda entschieden hat, erklärt der Theologische Vorstand der Herrnhuter Diakonie, Diakon Volker Krolzik, so: „Stationäre Hospize haben einen größeren Einzugsbereich. Deshalb ist eine verkehrsgünstige Lage sehr wichtig. Außerdem vertreten wir die Auffassung, dass Sterben zum Leben gehört, und suchten deshalb einen Standort in Stadtlage. Entscheidend war schließlich die beeindruckend gute und konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Verein. Eine so zügige und unkomplizierte Bearbeitung unserer Anliegen seitens der Stadtverwaltung Bischofswerda sind wir von anderen Orten nicht gewohnt.“

Analog zum stationären Hospiz Siloah werden in Bischofswerda nach aktuellem Planungsstand zwölf Betreuungsplätze entstehen. Außerdem ist vorgesehen, dass 27 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. „Diese Zahl ist aber variabel, da sie von der mit den Krankenkassen zu schließenden Leistungsvereinbarung und den jeweiligen Stellenumfängen der einzustellenden Mitarbeitenden abhängt“, erläutert der Kaufmännische Vorstand der Herrnhuter Diakonie, Stephan Wilinski. „Das geplante Investitionsvolumen beläuft sich nach heutigem Stand auf 4,9 Millionen Euro. Unser Finanzierungsplan sieht 1,9 Millionen Euro Fördermittel von öffentlichen und nichtöffentlichen Zuwendungsgebern vor. Die restliche Investitionssumme wird aus Eigenmitteln des Trägers und durch Investitionsdarlehen aufgebracht“, führt Stephan Wilinski weiter aus.

Im Rahmen der Pressekonferenz sind auch erste Entwürfe des Bauvorhabens durch den Architekten Daniel Neuer aus Berthelsdorf präsentiert worden. Die Umbauten zahlreicher denkmalgeschützter Gebäude für eine soziale Nutzung durch die Herrnhuter Diakonie sowie Neubauten in denkmalgeschützten Innenstadtquartieren stehen in seiner Referenzliste.

Für das Vorhaben in Bischofswerda sieht Daniel Neuer die größte Herausforderung in der Aufgabe, das anspruchsvolle Raumprogramm für ein Hospiz mit 12 Plätzen in die kleinteilige historische Substanz des Fronfeste-Areals so zu integrieren, dass kein störendes Neubau-Ensemble die Proportionen dieses sensiblen Innenstadtbereichs sprengt. „Unter größtmöglicher Erhaltung der vorhandenen Substanz ist es selbstverständlich, dass der historische Turm der Fronfeste in allen Details behutsam restauriert wird und gleichzeitig voll in die Hospiz-Nutzung eingebunden ist. Auch die wichtigen originalen Fassaden der begleitenden Gebäude an der Dresdner Straße und Am Hofe werden aufwendig gesichert und restauriert. Diese Gebäude bleiben in ihrer Proportion unverändert, wenngleich sie im Inneren eine neue Raumaufteilung erfahren“, so Daniel Neuer.
Die restliche Grundstücksbebauung, die aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammt und mehrfach umgebaut wurde, ist durch jahrelangen Leerstand nicht mehr nutzbar und wird abgebrochen. Historische Bauteile, wie Granitgewände, werden aber zum Wiedereinbau im neuen Gebäude geborgen. „Die Details sind mit den Fachbehörden im Wesentlichen abgeklärt. Hervorzuheben sind hier die intensiven Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege, welches das Projekt maßgeblich unterstützt.“ Daniel Neuer geht davon aus, dass die Abbruch- und Rückbauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen können, so das im zeitigen Frühjahr nächsten Jahres mit den eigentlichen Baumeisterarbeiten begonnen werden kann. Der neu zu errichtende Gebäudeteil folge dem Verlauf der Straße Am Hofe und ordne sich in seinen Proportionen in die umliegende historische Bebauung ein.

Bei optimalen Planungs- und Bauverlauf könnte die Fronfeste mit dem Hospiz im Jahresverlauf 2019 ihrer neuen Bestimmung übergeben werden – oder frei nach dem lateinischen Leitspruch des Fronfeste-Fördervereins: „Finis coronat opus“ (Das Ende krönt das Werk). „Wir freuen uns, dass unsere nunmehr siebenjährigen Bemühungen, das vermutlich älteste Gebäude der Stadt wieder einer Nutzung zuzuführen, schlussendlich von Erfolg gekrönt sind. Gegründet im August 2010 hat der Verein unter Federführung des damaligen Vereinsvorsitzenden, Herrn Dr. med. Ernst Wirth, zunächst versucht, das öffentliche Interesse auf den Gebäudekomplex zu richten und zwischen dem Eigentümer und potentiellen Interessenten zu vermitteln. Durch das Vorstandsmitglied, Herrn Dr.-Ing. Friedmann Görbing, wurden unterdessen Notsicherungsarbeiten an dem Gebäude geplant, entsprechende Fördermittel akquiriert und die Umsetzung kontrolliert. Ohne dieses Engagement einzelner, hier auch nicht namentlich erwähnter Vereinsmitglieder, wäre der Verfall des Gebäudeensembles schon weiter fortgeschritten“, erläutert Frank Mehlhose, der Vorsitzende des Fronfeste-Fördervereins. Für einen Einblick in die Historie, den Ist-Zustand und die Zukunft der Fronfeste sollten sich Interessenten bereits den Tag der offenen Hinterhöfe fest vormerken: „Wir laden alle Bürger von Bischofswerda und Freunde der Stadt ein, sich am 10. September zwischen 10 und 18 Uhr an und in der Fronfeste über das Vorhaben zu informieren“, so Robert Geburek.

Zum Abschluss der Pressekonferenz hat René Rixrath, Leiter der Herrnhuter Einrichtung, die auch für Bischofswerda geltenden Grundsätze der Hospizarbeit erläutert. Schwerkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten, neben einer professionellen Palliativversorgung auch Geborgenheit und Zuwendung geben, Angehörigen die notwendige Hilfe und Unterstützung bieten – darin sieht das Christliche Hospiz Ostsachsen seine Aufgaben. Getragen wird die tägliche Arbeit von den Prinzipien der Hospizbewegung und der Orientierung an der christlichen Nächstenliebe. „Es geht dabei weder um die Verlängerung, noch um die Verkürzung des Lebens. Ziel ist es, ein würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen, ohne unerträgliche Schmerzen und Ängste erleiden zu müssen. Seelische und spirituelle Bedürfnisse haben Platz und Raum, die betroffenen Menschen dürfen im Hospiz zur Ruhe kommen. Im Mittelpunkt der stationären Hospizarbeit steht der familiäre Charakter des Hauses. Die Hauptperson ist der Bewohner mit seinen Wünschen. Er bestimmt den Tagesrhythmus. Die Angehörigen werden individuell in die Versorgung mit einbezogen und dürfen an der Seite des schwer erkrankten Menschen leben bzw. ihn jederzeit besuchen“.

Ein Grundanliegen, dem sich auch Oberbürgermeister Holm Große anschließt und als Beleg für die Wichtigkeit der Hospizarbeit den Augsburger Weihbischof Anton Losinger zitiert. Dieser ist Mitglied des Deutschen Ethikrates und in der Deutschen Bischofskonferenz für ethische Grundfragen zuständig und hatte sich 2014 in einem Interview folgendermaßen geäußert: „In einer Lifestyle- und Leistungsgesellschaft erscheint das Sterben oft nur noch als körperlicher Verfall. Es ist aber ein entscheidender Teil des Lebens – und für viele Menschen der Schritt zu einer letzten Reife. Deshalb umfasst das Angebot der Hospize neben Medizin und Pflege die Sorge um die Psyche und die Seele. Der Mensch kommt als ganzer in den Blick“.

Mehr Infos zur Christliche Hospiz Ostsachsen gGmbH unter www.hospiz-ostsachsen.de